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Zitierweisen - finde den richtigen Stil für Deine Arbeit

Bei vielen Studierenden, aber auch bei frisch gebackenen Wissenschaftler:innen steht am Anfang einer wissenschaftlichen Arbeit die Frage: in welchem Stil muss ich eigentlich meine Quellen zitieren? Damit hierbei in Zukunft weniger Fragen aufkommen, haben wir eine Übersicht der 9 gängigsten Zitierstile erstellt - inklusive formaler Vorgaben und den häufigsten Anwendungsgebieten.

Allgemeine Hinweise - das gibt es bei der Formatierung zu beachten

Wer zum ersten Mal eine wissenschaftliche Arbeit verfasst, fokussiert sich in der Regel besonders auf den Inhalt. Völlig zurecht – dieser ist es schließlich, der einen Beitrag zum wissenschaftlichen Diskurs darstellt. Doch jede noch so hervorragende Argumentation fällt unweigerlich ab, wenn sie nicht nachvollziehbar von seriösen und relevanten Quellen begleitet wird. Gute wissenschaftliche Arbeiten stehen auf einem soliden Fundament anderer Arbeiten vor ihnen, die ergänzt, bestätigt oder widerlegt werden. Quellenangaben sind daher eine wichtige Säule für alle Hausarbeiten, Bachelor- oder Masterarbeiten, Doktorarbeiten und andere Veröffentlichungen.

Um alle getätigten Aussagen mit Quellen zu unterfüttern, gibt es verschiedene Zitationsformen. Es handelt sich dabei um ein Set aus Regeln, das eine gleichförmige Lesart der Quellen sicherstellt. Die Zitierstile haben ihre Ursprünge in unterschiedlichen Institutionen und Vereinigungen, die in der Regel ein offizielles Handbuch herausgegeben haben, in dem die Regeln genau erklärt werden, Beispiele angeführt sind und begleitende Empfehlungen bereitgestellt werden.

Direkt am Anfang muss aber darauf hingewiesen sein: An jedem Institut oder Fachbereich kann die Verwendung der jeweiligen Zitierstile in Details unterschiedlich ausfallen. So können Kommata und Punkte anders verwendet werden oder andere Kleinigkeiten leicht unterschiedlich von der offiziellen Version ausgelegt werden. Es ist daher in jedem Fall ratsam, Dich nach einem Handbuch zu erkundigen, das direkt vom eigenen Fachbereich veröffentlicht und verwendet wird. In der Regel gibt es ein solches Regelwerk, an das Du Dich dann akribisch halten solltest. Die festgelegten Regelungen des eigenen Institut sind immer wichtiger als die allgemeingültigen Regeln der Schöpfer der Zitationsstile.

Die wichtigsten Unterschiede zwischen den Zitationsstilen

Bei der Angabe von Zitaten gibt es immer zwei Stellen, an der die Quelle zu finden ist: Einmal kommt sie im Fließtext als Kurzangabe vor, das zweite Mal dann im Literaturverzeichnis als volle Angabe. An beiden Stellen finden sich starke Unterschiede zwischen den verschiedenen Zitierweisen, auch wenn die abgefragten Informationen in der Regel die gleichen sind.

Innerhalb des Fließtextes unterscheiden wir grob drei unterschiedliche Cluster von Zitierstilen, das Fußnoten-System, das Autor-Datum System und das Numerische System.

Die meisten Menschen, die zum ersten Mal mit Quellenangaben in Berührung kommen, denken vermutlich an das Fußnoten-System. Hier wird die Quelle mithilfe einer Fußnote an der Textstelle gekennzeichnet, an der Du auf diese Bezug nimmst. Eine Kurz- oder Vollangabe zur Quelle findet sich dann am Ende des Blattes außerhalb des Fließtextes. Dieses System ist auch als “deutsche Zitierweise” bekannt.

Beim Autor-Datum System wird innerhalb des Fließtextes der Autor und das Jahr der Veröffentlichung einer Publikation direkt an der Stelle angegeben, an der die Quelle Verwendung findet. Im deutschsprachigen Raum spricht man auch von der “amerikanischen Zitierweise”, wobei der MLA-Stil eine Ausnahme bildet, da hier eine Autor-Seiten Zitierweise die Grundlage ist.

Im Numerischen Stil vergibst du für verwendete Quellen im Fließtext eine Nummer, welche sich dann in der Literaturliste wiederfindet. Am Text selbst finden sich hierbei keine Hinweise auf Autor:innen und Erscheinungsjahre, was das Lesen des Textes mit gleichzeitiger Einordnung der Quellen etwas schwieriger macht.

Damit Du eine Idee bekommst, welcher Zitierstil vermutlich zu Deiner Arbeit gehört, hier ein kurzer Überblick über die gängigsten Fachgebiete und die zugehörigen Zitierweisen:

Fachgebiet Mögliche Zitierweisen
Sozialwissenschaften APA
Turabian
AAA
Geisteswissenschaften Deutsche Zitierweise
Chicago (A & B)
MLA
Turabian
Sprachwissenschaften MLA
Turabian
Wirtschaftswissenschaften Harvard
Medizin Vancouver
AMA
NLM
Rechtswissenschaften OSCOLA
Chemie ACS
Politikwissenschaften ASPA

Die 9 wichtigsten Zitationsstile

Auf der Welt gibt es viele verschiedene Zitierweisen, die unterschiedlich häufig Anwendung finden. Wir haben uns hier entschieden im Detail auf neun Stile exemplarisch einzugehen. Eine komplette Analyse der einzelnen Stile ist in diesem Kontext nicht möglich. Bei den Stilen, für die bereits eine detaillierte Beschreibung auf unserer Seite vorliegt, findest Du den entsprechenden Link. Ansonsten verlinken wir die offiziellen Manuale der veröffentlichenden Institution.

Im folgenden listen wir die Besonderheiten der gängigsten Zitierstile auf. Damit Du aber nicht jede Einzelheit eines Stils auswendig lernen musst, kannst Du in SciFlow mit einem Klick ein Dokument erstellen, in dem der gewünschte Zitierstil automatisch angewendet wird. Du kannst Dich dabei ganz auf das Schreiben konzentrieren - SciFlow übernimmt die Formatierung der Quellenangaben.

ACS: American Chemical Society

Die ACS-Zitierweise wurde von der American Chemical Society entwickelt und wird vor allem in wissenschaftlichen Arbeiten und bei Literatur im Fachgebiet der Chemie genutzt. Die Standardform der Zitation im Literaturverzeichnis sieht wie folgt aus:

Nachname, Initialen; Nachname, Initialen Zeitschrift Jahr, Band, Seiten (von–bis)

Im offiziellen Leitfaden der ACS findest Du alle Regeln und Beispiele. Eine Besonderheit des Stils ist es, dass innerhalb des Fließtextes sowohl numerische Angaben, Fußnoten als auch Kurzbelege in Autor-Datum-Format möglich sind. Schau hier also genau hin, wenn Du Deine Arbeit beginnst!

ACS-Beispiel mit numerischem System

Hier findet sich ein schöner Beispielsatz “genau wie er sein soll” (1).

ACS-Beispiel mit Fußnote

Hier findet sich ein schöner Beispielsatz “genau wie er sein soll”1.

ACS-Beispiel mit Autor-Datum-Angabe

Hier findet sich ein schöner Beispielsatz “genau wie er sein soll” (Andres, 2020).

AMA: American Medical Association

Für Mediziner:innen findet meistens der AMA-Stil der American Medical Association Anwendung - der größte Zusammenschluss von Ärzt:innen und Medizin-Studierenden in den Vereinigten Staaten von Amerika. Es handelt sich hierbei um ein numerisches System, wobei die Nummerierung im Text hochgestellt wird. Zusätzlich zur Nummerierung wird auch die Seitenzahl in Klammern angegeben.

Im Literaturverzeichnis kann das dann etwa so aussehen:

Nachname Erster-Buchstabe-Vorname, Titel. Veröffentlichungsort, Veröffentlichungsland: Verlag; Erscheinungsjahr.

AMA-Beispiel im Fließtext

Hier findet sich ein schöner Beispielsatz “genau wie er sein soll”1(p4).

Die AMA hat sich besonders viel Mühe in der Bereitstellung ihrer Zitations-Guidelines gemacht. Auf der Seite gibt es Videos, der rege genutzte Twitter-Account ist verlinkt und alle hilfreichen Informationen sind auffindbar.

APA: American Psychological Association

Die American Psychological Association (APA) hat Richtlinien herausgegeben, die vor allem in sozialwissenschaftlichen Fächern und der Psychologie genutzt werden. Allerdings hat sich der Stil auch über diese Fachgebiete hinaus immer weiter verbreitet. Es handelt sich hier um einen Autor-Jahr-Stil, bei dem im Fließtext ein Hinweis auf den Namen der Autor:innen gegeben wird sowie auf das Veröffentlichungsjahr.

Im Literaturverzeichnis kann das dann so aussehen:

Nachname, Vorname (Veröffentlichungsjahr): Titel, Veröffentlichungsort: Verlag.

APA-Beispiel im Fließtext

Hier findet sich ein schöner Beispielsatz “genau wie er sein soll” (Andres, 2020, S.4)

Im Styleguide der APA finden sich alle Regeln, Beispiele und Tipps.

Harvard-Zitierweise

In den Wirtschaftswissenschaften ist vor allem die Harvard-Zitierweise sehr häufig zu finden. Da es hier keinen einheitlichen Styleguide gibt, sind verschiedene Variationen möglich, weshalb gerade hier ein Blick in das Handbuch des eigenen Instituts sehr wichtig ist. Grundsätzlich handelt es sich beim Harvard-Stil um ein Autor-Datum-System.

Im Literaturverzeichnis kann das so aussehen:

Nachname, Vorname (Veröffentlichungsjahr): Titel, Veröffentlichungsort: Verlag.

Harvard-Beispiel im Fließtext

Hier findet sich ein schöner Beispielsatz “genau wie er sein soll” (Andres, 2020: 4)

Wir haben bereits einige weiterführende Informationen zur Harvard-Zitierweise zusammengefasst.

Chicago: Chicago Manual of Style

Der Chigago-Zitierstil geht auf die University of Chicago Press zurück und wird sehr oft in den Geisteswissenschaften genutzt. Die Besonderheit liegt bei diesem Stil in die Unterteilung in zwei Versionen: Chicago A und Chicago B.

In der Variante Chicago A wird die vollständige Quelle in einer Fußnote (oder Endnote) innerhalb des Fließtextes angegeben.

So kann Chicago A im Literaturverzeichnis aussehen:

Nachname, Vorname und Vorname Nachname. Titel. Veröffentlichungsort: Verlag, Veröffentlichungsjahr.

Chicago A-Beispiel im Fließtext

Hier findet sich ein schöner Beispielsatz “genau wie er sein soll”1.

In der Fußnote findet sich dann die volle Quelle, z.B. nach dieser Formel:

1Vorname Nachname und Vorname Nachname, Titel (Veröffentlichungsort: Verlag, Veröffentlichungsjahr).

In der Variante Chicago B wird die Quelle im Fließtext in verkürzter Form genannt und findet sich vollständig nur im Literaturverzeichnis.

Dort sieht man dann etwa:

Nachname, Vorname und Vorname Nachname. Veröffentlichungsjahr. Titel. Veröffentlichungsort: Verlag.

Chicago B-Beispiel im Fließtext

Hier findet sich ein schöner Beispielsatz “genau wie er sein soll” (Andres 2020, 4).

Im offiziellen Chicago Manual of Style können alle Regeln gefunden werden.

Deutsche Zitierweise

Wie bereits in der Einleitung erwähnt steht die Deutsche Zitierweise für die Angabe von Quellen mithilfe von Fußnoten. Damit finden sich im Text nur hochgestellte Zahlen, deren Belege dann im Fußbereich des Dokumentes zu finden sind. Die Quellen finden sich dennoch erneut im Literaturverzeichnis, wobei dort keine Angabe des Seitenbereichs erfolgt. Die Deutsche Zitierweise wird bevorzugt in den Geisteswissenschaften verwendet.

Im Literaturverzeichnis kann das so aussehen:

Nachname, Vorname: Titel. Veröffentlichungsort: Verlag Veröffentlichungsjahr.

Beispiel im Fließtext…

Hier findet sich ein schöner Beispielsatz “genau wie er sein soll”1.

… mit vollständiger Zitation im Fußbereich

1Nachname, Vorname: Titel. Veröffentlichungsort: Verlag Veröffentlichungsjahr, S. 1.

IEEE: Institute of Electrical and Electronics Engineers

Das IEEE-Regelwerk wurde vom Institute of Electrical and Electronics Engineers erstellt, einer der größten Organisationen für technologischen Fortschritt. Dieser Zitierstil wird besonders häufig in der Elektrotechnik und Informatik angewendet sowie in verwandten Fachbereichen. Es handelt sich um ein numerisches System.

So kann das im Literaturverzeichnis aussehen:

1. Abgekürzter Vorname Nachname, Titel. Veröffentlichungsort, Veröffentlichungsland: Verlag, Veröffentlichungsjahr.

IEEE-Beispiel im Fließtext

Hier findet sich ein schöner Beispielsatz “genau wie er sein soll” (1).

Im IEEE Reference Guide finden sich mannigfaltige Beispiele für viele Anwendungsfälle. Sollten Spezialfälle nicht abgedeckt sein, wird ein Fallback auf die Chicago-Zitierweise empfohlen.

MLA: Modern Language Association

Von der Modern Language Association wurde der MLA-Zitierstil herausgebracht. Dieser wird vor allem in Sprachwissenschaften genutzt und nutzt als Besonderheit das Autor-Seiten-System.

Hier ein beispielhafter Eintrag im Literaturverzeichnis:

Nachname, Vorname. Titel. Veröffentlichungsort: Verlag, Veröffentlichungsjahr.

MLA-Beispiel im Fließtext

Hier findet sich ein schöner Beispielsatz “genau wie er sein soll” (Andres 4).

Auf der Internetseite der MLA findet sich ein umfangreicher Styleguide mit Handbuch und weiterführenden Tipps und Hinweisen.

Turabian

Turabian ist als Stil der Chicago-Zitierweise sehr ähnlich. Sie wird ebenfalls von der University of Chicago Press veröffentlicht und ist vor allem für die Formatierung von Research Papers, Dissertationen und Abschlussarbeiten gedacht. Turabian wird besonders in den Geistes- und Sozialwissenschaften genutzt.

Genauso wie beim Chicago-Stil sind auch hier zwei Umsetzungen möglich, als Fußnoten-System oder als Autor-Datum-System.

So kann die Fußnoten-Variante im Literaturverzeichnis aussehen:

Nachname, Vorname und Vorname Nachname. Titel. Veröffentlichungsort: Verlag, Veröffentlichungsjahr.

Fußnoten-Variante im Fließtext

Hier findet sich ein schöner Beispielsatz “genau wie er sein soll”1.

In der Fußnote findet sich dann die volle Quelle, z.B. nach dieser Formel:

1Vorname Nachname und Vorname Nachname, Titel (Veröffentlichungsort: Verlag, Veröffentlichungsjahr), p.4.

Im Autor-Datum-System wird die Quelle im Fließtext in verkürzter Form genannt und findet sich vollständig nur im Literaturverzeichnis. Dort sieht man dann etwa:

Nachname, Vorname und Vorname Nachname. Veröffentlichungsjahr. Titel. Veröffentlichungsort: Verlag.

Autor-Datum-Variante im Fließtext

Hier findet sich ein schöner Beispielsatz “genau wie er sein soll” (Andres 2020, 4).

Auf der Seite des Chicago Manual of Style findet sich auch der Turabian Citation Quick Guide.

Fazit

In der Regel haben die meisten Fachrichtungen einen bevorzugten Zitierstil, der von allen Studierenden und Wissenschaftler:innen der Disziplin genutzt wird. Am Ende entscheidet aber jedes Institut selbst über die Verwendung des Zitierstils, sodass unsere Zuordnungen nur Hinweise sein können. Orientiere Dich bei der Erstellung einer Arbeit vor allem an den Vorgaben Deines Fachbereiches, sobald es los geht.

Stefanie Andres

Stefanie Andres studierte Veterinärmedizin und ist nun seit einigen Jahren im digitalen Marketing beschäftigt. Sie arbeitet als Online Marketing Managerin bei SciFlow und ist zudem als Autorin tätig. Sie wirkte an mehreren Publikationen mit, die sich mit internetbasierten Fortbildungen zur Antibiotikaresistenz-Vermeidung in der Tiermedizin befassen.